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Gedanken zum ersten Fastensonntag

Papst Benedikt XVI. sprach beim Angelusgebet am 1. Fastensonntag 2011 über die Bedeutung der Fastenzeit: Liebe Brüder und Schwestern! Heute ist der erste Sonntag der Fastenzeit, jener liturgischen Zeit von vierzig Tagen, die in der Kirche einen geistlichen Weg der Vorbereitung auf Ostern bildet. Es geht im Wesentlichen darum, Jesus nachzufolgen, der entschlossen auf das Kreuz zugeht, den Höhepunkt seiner Heilssendung. Wenn wir uns nach dem Warum der Fastenzeit, des Kreuzes fragen, so ist die radikal formulierte Antwort: weil es das Böse, ja die Sünde gibt, welche nach der Schrift die tiefe Ursache allen Übels ist. Doch diese Aussage ist nicht selbstverständlich, und das Wort »Sünde« wird von vielen nicht akzeptiert, da es eine religiöse Sicht von Welt und Mensch voraussetzt. Denn wahr ist: Wenn man Gott aus dem Horizont der Welt beseitigt, kann man nicht mehr von Sünde sprechen. Wenn sich gleichsam die Sonne verbirgt, verschwinden die Schatten; der Schatten tritt nur zutage, wenn die Sonne scheint; so führt die Gottesfinsternis notwendig zur Finsternis der Sünde. Daher wird der Sinn für die Sünde – der etwas anderes ist als das »Schuldgefühl«, wie dies die Psychologie versteht – wiedererlangt, wenn man den Sinn für Gott neu entdeckt. Dies bringt der Psalm Miserere zum Ausdruck, der König David anlässlich seiner zweifachen Sünde des Ehebruchs und des Mordes zugeschrieben wird: »Gegen dich« – spricht David zu Gott gewandt – »gegen dich allein habe ich gesündigt (Ps 51,6). Angesichts des moralischen Übels besteht die Haltung Gottes darin, sich der Sünde zu widersetzen und den Sünder zu retten. Gott duldet das Böse nicht, da er Liebe, Gerechtigkeit und Treue ist; und gerade deshalb will er nicht den Tod des Sünders, sondern dessen Umkehr und Leben. Um die Menschheit zu retten, greift Gott ein: Wir sehen dies in der ganzen Geschichte des jüdischen Volkes, angefangen bei der Befreiung aus Ägypten. Gott ist entschlossen, seine Kinder aus der Knechtschaft zu befreien, um sie zur Freiheit zu führen. Und die schwerste und tiefste Knechtschaft ist jene der Sünde. Deshalb hat Gott seinen Sohn in die Welt gesandt: um die Menschen von der Herrschaft Satans zu befreien, des »Urhebers aller Sünde«. Er hat ihn in unserem sterblichen Fleisch gesandt, damit er zum Sühneopfer werde und so für uns am Kreuz sterbe. Diesem endgültigen und universalen Heilsplan hat sich der Teufel mit all seinen Kräften entgegengestellt, wie besonders das Evangelium von den Versuchungen Jesu in der Wüste zeigt, das jedes Jahr am ersten Fastensonntag verkündigt wird. Denn der Eintritt in diese liturgische Zeit bedeutet immer, an der Seite Christi gegen die Sünde zu stehen und – als einzelne wie auch als Kirche – den geistlichen Kampf gegen den Geist des Bösen aufzunehmen (Aschermittwoch, Tagesgebet). Wir bitten daher um die mütterliche Hilfe der allerseligsten Jungfrau Maria für den unlängst begonnenen Weg der Fastenzeit, damit er reich an Früchten der Umkehr sei. Um ein besonderes Gedenken im Gebet bitte ich für mich und meine Mitarbeiter in der Römischen Kurie, die wir heute Abend die Woche der Exerzitien beginnen werden.