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40. Jahrestag des Papstbesuches in Fulda

Im November erinnert unser Bistum an den Pastoralbesuch des hl. Papstes Johannes Paul II. am Grab des hl. Bonifatius in Fulda. In diesem Monat wollen wir auf zentrale Aussagen 

dieses Papstes blicken. In seiner Ansprache an die Deutsche Bischofskonferenz am 17.11.1980 unterstrich der Papst: „Unsere heutige denkwürdige Begegnung am Grab des hl. Bonifatius erfolgt vor dem Hintergrund einer reichen und großen, vom Christentum maßgeblich mitgeprägten Geschichte des deutschen Volkes. Von vielfältigen Kräften geformt, hat es im Verlauf der Jahrhunderte weit über seine Grenzen hinaus mannigfache Impulse religiöser, kultureller und politischer Art gegeben. Ich brauche hier nur an den geschichtsträchtigen ehrenvollen Namen „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ zu erinnern.

Sieben Päpste hat euer Volk, einschließlich die heutigen Niederlande, der Kirche geschenkt, von denen die Geschichte berichtet, dass sie ihren Dienst als oberste Hirten der Christenheit - auch in größten äußeren und inneren Wirren der Zeit - gewissenhaft ausgeübt haben. Ein fast ihnen allen gemeinsames Hauptanliegen ihrer oft nur kurzen Pontifikate war die Erneuerung der Kirche. Eine besondere Erwähnung verdient das eifrige Bemühen von Papst Hadrian VI. um die Erhaltung und Wiederherstellung der Einheit der Christenheit. Manche von ihnen haben auch als Päpste ihrer deutschen Heimat und ihren früheren Diözesen einen persönlichen Besuch abgestattet.

Die innere Erneuerung des religiösen und kirchlichen Lebens und das ökumenische Bemühen um die Annäherung und Verständigung der getrennten Christen bilden die Hauptanliegen auch meiner apostolischen Reisen in die verschiedenen Ortskirchen und Kontinente. Sie sind es ebenso bei meinem Pastoralbesuch in der Kirche eures Landes und bei dieser unserer heutigen Begegnung. Die geistige Erneuerung der Kirche und die Einheit der Christen sind der ausdrückliche Auftrag des II. Vatikanischen Konzils, dem Papst, Bischöfe, Priester und Gläubige gleichermaßen verpflichtet sind. Sich diesen Aufgaben in gemeinsamer Verantwortung zu stellen, ist das vordringliche Gebot der Stunde. Sie sind die große Herausforderung und Pflicht vor allem unserer kollegialen Verantwortung als Hirten der Kirche. Ihnen wollen auch meine folgenden Überlegungen und Ausführungen gelten und dienen. …

Seid liebend besorgt um die Einheit des Presbyteriums in jedem Bistum. Die Erwartungen und Anforderungen an die Priester sind in den letzten Jahrzehnten in einer sie belastenden Weise gewachsen. Durch die geringer werdende Priesterzahl kommen mehr Aufgaben auf sie zu. Durch die vielen beruflichen und ehrenamtlichen Dienste der Laien in der Seelsorge werden die Priester in ihrer Aufgabe geistlicher Führung noch mehr gefordert. In einer Gesellschaft, die von einem immer dichteren Kommunikationsnetz umspannt ist, wird für den Priester eine immer vielseitigere geistige Auseinandersetzung notwendig. Viele Priester verzehren sich in Arbeit, werden aber einsam und verlieren die Orientierung. Umso wichtiger ist es, dass die Einheit des Presbyteriums gelebt und erfahrbar wird. Stützt alles, was die Priester bestärkt, einander zu begegnen und zu helfen, miteinander aus dem Wort und Geist des Herrn zu leben. …

Die Verkündigung und auch das kirchliche Leben können sich in eurer Gesellschaft, Gott sei es gedankt, nach außen hin frei entfalten. Und doch ist die Auseinandersetzung, in die ihr gerufen seid, anspruchsvoll. Manchmal finden sich die Menschen geistig in der Situation eines Warenhauses, in dem alle möglichen Güter angepriesen und zur Selbstbedienung angeboten sind. So mischen sich in den Lebensanschauungen vieler Menschen bei euch Elemente christlicher Tradition mit ganz anderen Auffassungen. Die äußere Freiheit, das zu denken und zu sagen, was man will, wird mitunter verwechselt mit der inneren Beliebigkeit der Überzeugung; an die Stelle einer klaren Orientierung tritt die Indifferenz gegenüber so vielen Meinungen und Deutungen. Was aber ist insgesamt eure Aufgabe und eure Chance angesichts der gezeichneten Situation?

Ich möchte euch zwei Worte zurufen. Zunächst: Verkündet das Wort in aller Eindeutigkeit, unbeirrt um Beifall oder Ablehnung! Nicht wir befördern letztlich Erfolg oder Misserfolg des Evangeliums sondern Gottes Geist. Die Gläubigen und die Nichtglaubenden haben ein Recht darauf, eindeutig die authentische Botschaft der Kirche zu hören. Das zweite: Verkündet das Wort mit der ganzen hingebenden, suchenden, verstehenden Liebe des Guten Hirten. Hört auf die Fragen, welche jene stellen, die meinen, in Jesus Christus und seiner Kirche keine Antwort mehr zu finden. Glaubt fest daran, dass Jesus Christus sich gleichsam mit jedem Menschen verbunden hat und dass jeder Mensch sich selbst, seine echten menschlichen Werte und Fragen, in ihm wiederfinden kann.“