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Auf dem Weg durch den Advent

Mit großer Ungewissheit im Hinblick auf die gewohnte Feier des Weihnachtsfestes beginnen wir am Sonntag die Adventszeit. Viele Einschränkungen bestimmen auch den kirchlichen Alltag. Dennoch besteht gerade dieses Jahr die Chance, die Bedeutung des Advents tiefer zu erfassen. Nachdenkliche Worte hierzu liefert Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg): „Vor allem die vorweihnachtliche Adventszeit ist immer mehr aus dem Blick der Menschen geraten. Tatsächlich ist sie eine Zeit der Stille, des Fastens und der Besinnung. Dies neu zu entdecken, dazu werden die Corona-Beschränkungen heuer vermutlich sogar helfen.“ Es sei nicht die Zeit der schon vorweggenommenen Weihnachtsfeiern, sondern die Zeit der Erwartung, der Bereitung des eigenen Herzens für die wieder neue „Ankunft des Herrn“ in meinem Leben , so der Regensburger Bischof.

Lassen wir in diesem Jahr nichts ungenutzt, damit die Adventszeit für uns zu einer Gnadenzeit werde. Neben dem Gebet und dem Empfang der Sakramente will uns das Wort Gottes neue Impulse geben. Dies gelingt, wenn wir mit einer inneren Wachsamkeit durch diese Zeit gehen. Am ersten Advent beginnen wir das Lesejahr B und hören die Lesungen aus dem Buch Jesaja, dem ersten Korintherbrief und dem Markusevangelium. Papst Franzskus kommentierte diese Tageslesungen in seiner Ansprache zum Angelus am 1. Advent 2017: „Im Evangelium (vgl.  Mk  13,33-37) mahnt Jesus,  Acht zu geben , um bereit zu sein, ihn im Augenblick seiner Wiederkehr zu empfangen. Er sagt uns: »Gebt Acht und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist […] Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend  antreffen« (V. 33-36). Der Mensch, der  Acht gibt , ist jener, der sich im Lärm der Welt nicht von Zerstreuung oder Oberflächlichkeit fortreißen lässt, sondern in erfüllter, bewusster Weise lebt, verbunden mit einer Sorge, die sich vor allem  den anderen  zuwendet. Mit dieser Haltung werden wir uns der Tränen und der Bedürfnisse des Nächsten bewusst und können auch seine menschlichen und geistlichen Fähigkeiten und Qualitäten erfassen. Die achtsame Person wendet sich dann auch  der Welt  zu und trachtet danach, der in ihr vorhandenen Gleichgültigkeit und Grausamkeit entgegenzuwirken und sich der trotz allem vorhandenen Schätze an Schönheit zu erfreuen, die bewahrt werden müssen. Es geht darum, einen verständnisvollen Blick zu haben, um sowohl das Elend und die Armut der Einzelnen und der Gesellschaft als auch den in den kleinen, alltäglichen Dingen verborgenen Reichtum zu erkennen, und zwar genau dort, wo der Herr uns hingestellt hat.

Der  wachende Mensch  ist jemand, der die Einladung annimmt, wachsam zu sein, das heißt sich nicht vom Schlaf der Entmutigung, der Hoffnungslosigkeit, der Enttäuschung überwältigen zu lassen; und gleichzeitig weist er die Reize der vielen Eitelkeiten zurück, die es in der Welt im Überfluss gibt und für die bisweilen Zeit und persönliche wie auch familiäre Ruhe geopfert werden. Es ist dies die schmerzhafte Erfahrung des Volkes Israel, von der der  Prophet Jesaja  berichtet.

Gott schien sein Volk umherirren zu lassen, weit von seinen Wegen entfernt (vgl. 63,17), doch das war eine Auswirkung der Treulosigkeit des Volkes selbst (vgl. 64,4b). Auch wir befinden uns oft in dieser Lage der Treulosigkeit gegenüber dem Ruf des Herrn: er weist uns den guten Weg, den Weg des Glaubens, den Weg der Liebe, doch wir suchen anderswo nach unserem Glück.

Acht geben  und  wachsam  zu sein sind die Voraussetzungen, um nicht weiter »von den Wegen des Herrn abzuirren«, verloren in unseren Sünden und in unseren Treulosigkeiten; Acht zu geben und wachsam zu sein sind die Voraussetzungen, um es Gott zu gestatten, in unser Dasein einzubrechen, um diesem durch seine von Güte und Zärtlichkeit erfüllte Gegenwart Sinn und Wert zu verleihen. Die allerseligste Jungfrau Maria, Vorbild in der Erwartung Gottes und Bild der Wachsamkeit, führe uns zur Begegnung mit ihrem Sohn Jesus und belebe unsere Liebe zu ihm neu"